Stallbesuche

Neben der Beratung durch den Architekten sowie durch die Hessische Landgesellschaft schauen wir uns auch einzelne Betriebe an, um uns Anregungen zu holen und mit den Kolleginnen und Kollegen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Nachfolgend eine kleine Auswahl besuchter Betriebe.

Einer der ersten Ställe hier in der Gegend mit weißen Dächern. Die Idee, dass dadurch ein Großteil des Lichts reflektiert wird und der Stall sich somit im Sommer weniger stark aufheizt, finden wir in Anbetracht der heißen Sommertage in den letzten Jahren gut. Auch wirkt der Stall im Inneren heller und freundlicher, was uns ebenfalls gut gefallen hat.

Fast schon Standard in den heutigen Ställen ist, dass die Seitenwände offen sind und nur mit Windschutznetzen geschlossen werden, um eine zu große Zugluft zu vermeiden. Auf dem rechten Bild sind die Abkalbebuchten zu sehen, in denen die trächtigen Kühe ihre Kälber bekommen. Hier ist besonders der ebenerdige Zugang interessant, so dass jedes Abteil mit einem Hoflader zügig und effizient entmistet werden kann.


Bei dem nächsten Stall hat uns besonders die Haltung der Kälber interessiert. Sie werden in überdachten Gruppeniglus aufgezogen. Allerdings haben wir Bedenken, dass es im Winter dafür zu kalt werden könnte. Besonders nachts kann es an unserem Standort deutlich unter - 20 °C werden. Generell wollen wir die Kälber im neuen Stall halten, allerdings in einem eigenen Bereich, oder den Kälberstall gänzlich in ein seperates Gebäude ausgliedern. Zusätzlich soll es einen mit Stroh eingestreuten Außenbereich geben, den die Kälber nach Belieben nutzen können. So hätten die Kälber ausreichend Schutz und Auslauf zugleich. Man muss nämlich beachten: Kälber kommen ohne Immunsystem auf die Welt und sind daher in den ersten Tagen besonders anfällig.


Dieser Stall wurde vor 2 Jahren gebaut. Es ist ein Laufstall mit Hochboxen, 2 Melkrobotern und einem Außenbereich. Wegen dem Weidegang ist ein Melkroboter nicht praktikabel bei uns, da alle Tiere vor und nach dem Weidegang ohne lange Wartezeiten gemolken werden müssen. Trotzdem konnten wir uns einige Anregungen holen. Besonders gut gefallen haben uns die Abgrenzungen in den Liegeboxen von der Firma Cow Welfare. Sie sind flexibel und passen sich der Kuh an, die sich in die Box hineinlegt. Anders als bei starren Bügeln kommt es hier zu keinen Druckstellen.


Im dem noch nicht fertig gestellten Melkhaus konnten wir erste Eindrücke zum System "Fischgrät" sammeln. Der Name leitet sich aus der Anordnung der Kühe im Melkstand ab, der dem Fischgrätparkett ähnelt. In diesem Melkstand können 24 Kühe auf einmal gemolken werden. Das ist für unseren Betrieb natürlich viel zu groß und teuer und kann mit einem einzigen Melker auch nicht bewerkstelligt werden. Für uns würde ein Doppel-Sechser oder Doppel-Achter völlig ausreichen.
Was uns gefallen hat ist der großzügige Melkraum, die Aufhängungen der einzelnen Melkmaschinen (Arbeitserleichterung), die Wasserspritzen in der Mitte für die Sauberkeit und die farbliche Gestaltung der Fliesen. Wir würden an den Standfächen der Kühe noch Abflüsse integrieren, damit Kot und Urin schneller entfernt werden können.

Statt einem externen Güllebehälter ist der Stall unterkellert und die Gülle wird unter dem Stall gesammelt. Dafür notwendig sind Rührwerke, die die Gülle in regelmäßigen Abständen homogenisieren und eine Verkrustung verhindern. Dieses System passt am besten zu dem von uns favorisierten Entmistungssystem, allerdings haben wir Bedenken, dass bei niedrigen Temperaturen im Winter die Gülle im Außenbereich einfriert. Über die Frage der Güllelagerung sind wir uns daher noch nicht einig.

Auf dem Bild ist ein Klauenbad für Kühe zu sehen. Es wird mittels Lichtschranke ausgelöst und sollte an einem Übergang platziert werden, den jede Kuh mindestens 1 mal pro Tag durchqueren muss. So ein Klauenbad bietet sich besonders bei großen Herden an, die ganzjährig im Stall gehalten werden und kontinuierlich im Kot und Urin stehen. Da wir die Weidehaltung beibehalten wollen und als Entmistungssystem einen Roboter mit Wasserbürste anvisieren, ist so ein Klauenbad erstmal kein Must-have. Trotzdem behalten wir es im Hinterkopf, falls es doch zu Problemen mit den Klauen kommen sollte.