Unser Alltag (2015)

Unser Alltag in der Landwirtschaft ist geprägt von unseren Tieren, den Jahreszeiten und dem Wetter. Der Tag beginnt jeden Morgen um 5 Uhr. Es gibt feste Abläufe, die sich täglich wiederholen wie z. B. das Melken. Je nach Jahreszeit und Wetter kommen aber noch zusätzliche Arbeiten hinzu, die erledigt werden müssen. Für diese nicht-alltäglichen Arbeiten haben wir eine Art Tagebuch mit kurzen Informationen, Bildern und Videos erstellt. Da der Betrieb im Nebenerwerb geführt wird, geht jeder von uns noch einem Beruf bzw. einer Ausbildung nach. Deshalb finden die "großen Aktionen" meistens am Wochenende oder im Urlaub statt. Wenn Sie mehr wissen möchten oder eine konkrete Frage haben, dann können Sie uns jederzeit kontaktieren. Wir freuen uns über Ihr Interesse!

 

13. April: Wasserfass reparieren

Nächste Woche kommen die Tiere wieder auf die Weide und so wurden heute die ersten Wiesen eingezäunt. Es ist ein Elektrozaun, der jedes Jahr auf- und wieder abgebaut wird. Für die jungen Rinder, die das erste Jahr auf der Weide sind, benutzen wir einen doppelten Zaun, damit sie nicht unter dem ersten durchschlüpfen. Die Wiesen werden grundsätzlich abgeteilt und täglich erweitert. Das bedeutet zwar wesentlich mehr Arbeit, allerdings haben die Tiere dadurch jeden Tag frisches Gras zu fressen.


25. April: Einzäunen der Wiesen

Die Weidesaison beginnt wohl erst Ende April / Anfang Mai. Durch die zeitweisen Kälteeinbrüche hat sich der Termin ein bisschen nach hinten verschoben, denn das Gras braucht noch eine Weile zum Wachsen. Zeit genug also, um noch einige Vorkehrungen zu treffen. Heute steht die Wiederinbetriebnahme eines alten Wasserfasses auf dem Plan. Der Rahmen und das Fass sind noch in einem guten Zustand. Aber es braucht neue Reifen, neue Hölzer und eine neue Lackierung.


1. Mai: Auftrieb der Rinder

Heute sind die Rinder auf die Weide gekommen. Die Rinder sind nach Alter auf zwei Herden aufgeteilt worden. Besonders bei Rindern, die noch nie draußen waren, ist die Gewöhnung an den Elektrozaun immer ein bisschen heikel. Bislang haben wir gute Erfahrungen mit einem doppelten Elektrozaun und einem dahinter aufgebauten Absperrband gemacht. Kühe sehen im Vergleich zum Menschen sehr schlecht. Das breite Absperrband hilft, die Wiesenbegrenzung besser und schneller zu erkennen.


4. Mai: Trockensteher und Altkühe

Heute sind ein Trockensteher (Milchkuh, die vor der Geburt steht. Die Trockenstehphase dauert etwa 8 Wochen) und unsere zwei ältesten Kühe auf die Weide gekommen. Trockensteher kommen nach der Geburt wieder zurück in die Hauptherde, während die beiden Altkühe die ganze Saison auf der Weide verbringen. Sie geben keine Milch mehr und würden den täglichen Weidegang auch nur mühselig schaffen. Es wird allerdings das letzte Jahr für sie sein, denn im alten Stall wird im Winter kein Platz mehr für sie sein, da neue Kühe aus der Rinderherde nachrücken. Den "'Luxus" Altkühe, die keine Milch mehr geben, über den Sommer noch zu behalten, können wir uns nur erlauben, da wir genügend Grundfutter haben und Weidehaltung relativ kostengünstig ist. Trotzdem ist es wirtschaftlich gesehen ein Verlust für uns.


7. Mai: Weidesaison eröffnet!

Nach Sturm Zoran durften nun auch die Kühe raus. Schon früh morgens um 7 ging es auf die frische Wiese. Da der Betrieb im Ortskern liegt, mussten zunächst alle Straßen, Einfahrten und sonstige Wege abgesperrt werden. Zudem wurden an wichtigen Stellen Helfer postiert, so dass die Kühe auch den angedachten Weg benutzen. Gerade am ersten Tag sind sie sehr stürmisch, so dass man besonders gut aufpassen muss. Alle Kühe sind gut an der Wiese angekommen, wo sie auch gleich ihre Rangkämpfe ausgetragen haben. Kühe sind Herdentiere mit einer strengen Hierarchie, die regelmäßig neu ausgefochten wird. Auch wenn neue Tiere in die Herde dazukommen, müssen sie sich ihre Stellung erst erkämpfen.

 

 

 

 


11. Mai: Stallsäuberung

Nach der Wintersaison ist der Stall durch den Dunst und Staub immer sehr dreckig und so wird er jedes Jahr gründlich gereinigt und gesäubert. Zu viert dauert die Arbeit zwei Tage. Decke und Wände werden gekalkt, Rohre, Milchleitungen, Gestänge und die Tränken werden geputzt und bisher aufgeschobene Reparaturen werden durchgeführt. Besonders das Kalken ist eine unangenehme Arbeit und nur mit Atmenschutzmaske und Schutzkleidung erträglich. Neben einer optischen Funktion stehen vor allem hygienische Aspekte im Vordergrund: Ungeziefer werden reduziert und Bakterien sowie Pilze können sich aufgrund der desinfizierenden Wirkung nicht ausbreiten. Der Kalk wird zweimal aufgetragen und muss erst richtig abtrocknen, bevor es richtig deckt. Das Futter auf den Laufgängen dient übrigens der Trittsicherheit, damit die Tiere beim Ein- und Austritt des Stalls nicht ausrutschen.


14. - 17. Mai: erster Schnitt

Von Donnerstag bis Sonntag haben wir die ersten Silageballen in diesem Jahr gemacht. Dafür braucht es neben gutem Wetter ein gut funktionierendes und eingespieltes Team, da die einzelnen Arbeitsprozesse ineinander greifen und teilweise parallel ablaufen. Im Folgenden sollen die einzelnen Schritte kurz vorgestellt werden. Zunächst muss das Gras geschnitten werden. Optimal ist eine Schnitthöhe von 6 - 8 cm über dem Boden, so dass die Pflanzen wieder gut nachwachsen können. Mittlerweile mähen wir mit einer Front-Heck-Kombination, was zum einen Zeit spart, zum anderen sich aber positiv auf die Qualität auswirkt, da man mit dem Schlepper nicht auf dem noch zu mähenden Gras fahren muss.


Besonders aufpassen muss man auf die Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken und auch nicht flüchten, egal was kommt. Durch ihr Muster sind sie nur schwer zu erkennen. Allerdings weiß man, dass ein Rehkitz in unmittelbarer Nähe ist, wenn sich erwachsene Rehe auf der Wiese befinden. Dann fährt man besonders vorsichtig und sucht die Umgebung ab. Auf dem Bild sind übrigens 2 Rehkitze zu sehen, die wir zusammen auf einer Wiese gefunden haben. Wir haben sie vorsichtig an den Waldrand unter einen Strauch gelegt.


Nach dem Mähen muss das Gras auf der Wiese großflächig verteilt werden. Silage wird in der Regel einmal, Heu dagegen mehrmals gewendet, um eine optimale Trocknung zu erreichen. Silage ist im Vergleich zu Heu wesentlich feuchter, da hier ein Gärprozess einsetzen muss, um das Gras zu konservieren.


In der Regel wird Silage einen Tag lang getrocknet. Als nächstes wird das Gras zu Schwaden zusammengerecht. Wir verwenden dazu einen Seitenschwader, d.h. das Gras wird auf eine Seite geworfen. Alternativ dazu gibt es noch Mittelschwader, die das Gras zur Mitte des Schwaders rechen. Bei Schwadern ist darauf zu achten, dass die Zinken so eingestellt sind, dass sie das Gras aufrechen können, aber nicht in der Erde kratzen. Tun sie es doch, wird das Futter verdreckt und es kann zu Schimmelbildung im Rundballen kommen.


Das Gras wird anschließend zu Rundballen gepresst. Alternativ gibt es noch Quaderballen oder Fahrsilos, in denen das Gras auf einen großen Haufen gefahren und verdichtet wird. Rundballen sind für uns praktikabel, da wir keine großen Mengen Futter im Winter brauchen (im Schnitt 1 Siloballen pro Tag) und wir sie selbst herstellen können. Für Fahrsilos werden in der Regel Lohnunternehmen beauftragt, da man mit mehreren Wagen und Maschinen fahren muss.


Nach dem Pressen werden die Ballen zum Wickelplatz gebracht. Seit 2 Jahren benutzen wir dazu einen umgebauten LKW-Anhänger. Vorher wurden alle Ballen einzeln gefahren, was ziehmlich lange dauert und die Qualität mindert. Denn nach dem Pressen müssen sie so schnell wie möglich gewickelt werden, damit der Gärprozess einsetzen kann. Gerade in unserem hügeligen Gelände ist besonders auf Ladungssicherung zu achten. Neben den Gittern kommen auch Spanngurte zum Einsatz. Silageballen werden aufgrund ihrer Schwere nur einreihig transportiert. Heuballen dagegen zweireihig.


Im letzten Schritt werden die Silageballen mit Folie eingewickelt. Das ist notwendig, damit der Gärprozess einsetzen kann und um die Silage vor Schnee und Regen zu schützen. Wir benutzen ausschließlich helle Folien (weiß oder leichter Grünstich), damit sich die Ballen nicht zu stark erwärmen, was die Nährstoffe verringert und die Schimmelbildung fördert. Nach dem Wickeln werden die Ballen noch zusammengestellt und mit alten Reifen abgedeckt. Dadurch soll verhindert werden, dass Vögel sich direkt auf die Ballen setzen und mit ihren Krallen Löcher in die Folie machen.


25. Mai: (kein) Klee

Auf den (eigentlich mit Klee) eingesäten Äckern hat sich der Klee nicht durchsetzen können. Es dominieren Ackerblumen und Getreidepflanzen. Die Gründe liegen wohl in der zu späten Aussaat im letzten Jahr und die Verwendung der Sämaschine, wodurch zu große Zwischenräume entstanden sind. Wir werden die Äcker in den kommenden Wochen mähen und dann weiter abwarten, ob der Klee doch noch vorstoßen wird. Für die Regeneration der Ackerböden ist das nicht weiter schlimm, allerdings wollten wir in diesem Jahr Erfahrungen beim Pressen und Verfüttern reiner Klee-Silagen-Ballen sammeln. Notfalls werden wir die Äcker noch einmal bearbeiten und neu einsäen.


27. Mai: aus 3 mach 4

Zu den 3 Altkühen bzw. Trockenstehern ist eine weitere tragende Kuh dazugekommen. Nach einer kurzen Rangelei ist wieder alles friedlich. Der Abkalbetermin für die nächste Kalbung ist in +/- 5 Wochen. In der Regel holen wir die Kuh dann ein paar Tage vor dem Termin nach Hause in den Abkalbestall, um notfalls eingreifen zu können, falls es zu Komplikationen kommt. In den meisten Fällen verlaufen die Kalbungen glücklicherweise problemlos und manchmal kommt es vor, dass das Kälbchen schon auf der Wiese zur Welt kommt.


4. Juni: Wiesen mulchen

Nach der Beweidung einer Wiese bleiben Kuhfladen, platt gedrücktes Gras und Futterreste zurück, die nicht gefressen wurden. Für einen optimalen und gleichmäßigen Pflanzenwuchs ist eine Nachbearbeitung mit einem Mulchgerät notwendig. Dabei werden die Futterreste abgeschlegelt und zerkleinert, damit es schneller verrotten kann. Dadurch werden die nachwachsenden Pflanzen zusätzlich mit Nährstoffen versorgt, was sich positiv auf das Wachstum auswirkt. Zusätzlich dient die Nachbearbeitung der Parasitenbekämpfung. Kuhfladen sind nämlich optimale Brutstätten für eine Reihe von Weide-Parasiten. Durch das Mulchen werden die Kuhfladen verteilt und zersetzt, so dass man dadurch die Zahl der Parasiten eindämmen kann - alles ganz ohne Chemie.


17. Juni: ein bisschen Regen

Nachts und bis in die Morgenstunden hat es geregnet. Das tut nicht nur den Feldern, sondern auch den Tieren gut. Da fällt dann auch der morgendliche Auftrieb zur Weide gleich viel leichter.


20. Juni: Jahrholz holen

Heute haben wir unser Jahrholz aus dem Wald geholt. Jedes Jahr werden uns und anderen Familien eine gewisse Menge Jahrholz aus den Wäldern der Waldgesellschaft der Riedesel Freiherren zu Eisenbach GbR zu einem vergleichsweise günstigen Preis zugeteilt. Das Holz wird zum Trocknen draußen gelagert und später zugeschnitten und gespaltet.


25. Juni: Schrot machen

Neben Silage und Heu verfüttern wir auch das selbst produzierte Getreide: Weizen, Gerste und Hafer. Das Getreide muss trocken eingelagert werden und darf auch sonst nicht feucht werden. Zudem muss es vogelsicher sein. Bevor die Kühe das Getreide bekommen, muss es gequetscht werden. Es hat dann die Konsistenz von Haferflocken und kann so besser aufgenommen und verdaut werden. Täglich werden 12 Eimer in der Getreidequetsche verarbeitet. Das Quetschen ist eine sehr staubige Angelegenheit, so dass hier mit Mundschutz gearbeitet wird.


27. Juni: nach dem 1. Kleeschnitt

Nach dem 1. Kleeschnitt, der eigentlich kein Klee war, ist nun gut zu sehen, wie sich der Klee durchsetzt. Es gibt zwar noch einige kahle Stellen auf dem Acker und hier und da kommen Gräser durch. Doch alles in allem sind wir mit der Entwicklung zufrieden und sind für den 2. Schnitt zuversichtlich.


28. Juni: Kälbchen auf der Wiese

Einige Tage zu früh und völlig unerwartet fanden wir ein gesundes Bullenkälbchen auf der Wiese. Zum Glück verlief die Geburt problemlos und Kuh und Kalb sind wohlauf. In der Milchviehwirtschaft müssen Kuh und Kalb getrennt werden, was schon am ersten Tag der Geburt passiert. Es gibt einige wenige Betriebe, die die Trennung später vollziehen. Allerdings wächst die Bindung von Tag zu Tag, so dass eine spätere Trennung unserer Meinung noch schmerzlicher ist.

Kälbchen werden in den ersten 2 Wochen in einer Einzelbucht gehalten. Das ist wichtig, da sie noch kein Immunsystem haben, was sich in dieser Zeit erst aufbauen muss. Die Buchten sind mit Stroh und Heu eingestreut und gefliest. Durch die Fliesen lassen sie sich besser und gründlicher reinigen und desinfizieren, so dass eine gute Hygiene erreicht werden kann. Zudem hat jede Bucht eine Wärmelampe, die im Winter benutzt wird.